29.08.2007

Arbeitslosengeld II

Kinder sind besonders arm dran
17 Prozent aller Heranwachsenden müssen mit Hartz IV leben

In diesen Tagen und Wochen beginnt für Tausende Mädchen und Jungen ein neuer Lebensabschnitt: Sie freuen sich auf den ersten Schultag. Doch neben vielen glücklichen Kinderaugen sind immer öfter auch traurige Gesichter zu sehen. Die Schultüte fehlt bei diesen Kindern, oder sie ist nur äußerst spärlich gefüllt. Ihre Eltern sind arm.

Die Zahl bedürftiger Kinder hat mit 1,929 Millionen einen Höchststand seit Einführung der Hartz-Gesetze erreicht. Fast 17 Prozent der 11,5 Millionen Heranwachsenden unter 15 Jahren leben trotz Wirtschaftsaufschwung in Familien, die Arbeitslosengeld II beziehen. Bislang war die Zahl der Kinder, die mit Hartz IV auskommen müssen, von den Bundesstatistikern immer mit 1,82 Millionen angegeben worden. Hartz IV, so die Forscher, entpuppe sich immer mehr zu einer "Rutsche in die Armut", bei der die Kinder die Hauptleidtragenden sind.

2,55 Euro für das tägliche Essen

Diese Einschätzung teilt auch der Deutsche Gewerkschaftsbund. So erklärte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach, Hartz IV habe das "Verarmungsrisiko" arbeitsloser Menschen deutlich erhöht. Durch das neu geschaffene Arbeitslosengeld II seien die Leistungen vom zuletzt gezahlten Lohn abgekoppelt worden - ein "fataler Paradigmenwechsel in der deutschen Arbeitsmarktpolitik".

Was die Regelsätze des Arbeitslosengelds II für Kinder und ihre Eltern mkonkret bedeuten, belegen einige Zahlen. Für Frühstück, Mittag- und Abendessen bekommt ein zehnjähriges Kind in einer Hartz-IV-Familie 2,55 Euro am Tag. Für Schuhe stehen im Monat 3,65 Euro zur Verfügung und für Freizeitaktivitäten wie Kinobesuche ganze 1,36 Euro. Grundlage für dieses Zahlenwerk ist die gesetzliche Feststellung, nach der Kindern bis zu 14 Jahren 60 Prozent des Eckregelsatzes zusteht. Das sind 208 Euro im Monat. Auch NRW-Arbeitsminister Josef Laumann (CDU) bezeichnete es als "Quatsch", wenn festgelegt sei, dass ein 14jähriger nur 60 Prozent der Essensrationen eines Erwachsenen benötige. Er sehe dringenden "Diskussions- und Handlungsbedarf".

Brücken bauen heraus aus Hartz IV

Die inzwischen von Familienminis-terin Ursula von der Leyen in die Dis-kussion eingebrachte Erhöhung des Kinderzuschlags für Geringverdiener hält der DGB für nicht für ausreichend. "Damit lässt sich nur für jedes fünfte Kind eine Brücke heraus aus Hartz IV bauen", erklärte Annelie Buntenbach. Sie wies damit Äußerungen von der Leyens zurück, ein Mindestlohn könne Familien mit Kindern kaum aus der Armut herausholen. "Was die Betroffenen wirklich brauchen, ist der Mindestlohn in Höhe von 7,50 Euro - kombiniert mit einem verbesserten Kinderzuschlag und einer einmalige Bevon 50 Euro pro Jahr für Schulkinder", erklärte die Gewerkschafterin.

Uwe Reepen

Hartz-Betthupferl